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 Betreff des Beitrags: Aktivisten oder Terroristen - der Südtirol Anfang der 60er
BeitragVerfasst: 13.08.2007 12:09 
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Aktivisten oder Terroristen
Südtirol am Anfang der Sechzigerjahre

Vorgeschichte:

Im Vertrag von Saint-Germain im Jahre 1919 wurde Italien Südtirol überschrieben, was ihnen 1915 versprochen wurde um Italien im Ersten Weltkrieg auf die Seite der Entente zu ziehen.
Daraufhin setzte 1922 als der faschistische Diktator Mussolini in Italien an die Macht kam eine rege "Italianisierung" Südtirols ein, der deutschsprachigen Bevölkerung wurden jegliche Rechte entzogen, die italienische Sprache aufgezwungen und Italiener angesiedelt.

In der Zeit zwischen 1939 und 1943 gab es die Zeit der Option.
Sie beschreibt die Zeit, in welcher Hitler und Mussolini es der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol in dem Trentino freistellten in Italien zu bleiben oder in das "Großdeutsche Reich" zu übersiedeln.
Dieses Hitler-Mussolini Abkommen spaltete nicht nur die Südtiroler Gesellschaft sondern auch Familien, da eher die ärmere Gesellschaft auswanderte, die sich ein besseres Leben im "Großdeutschen Reich" vorstellte.

Der Konflikt:
Nachdem Roosevelt und Churchill sich in der Atlantik Charta 1941 darauf geeinigt hatten, dass es keine territorialen Veränderungen nach dem Zweiten Weltkrieg geben wird, die nicht mit den frei ausgedrückten Wünschen der betroffenen Bevölkerung übereinstimmen, hoffte nun ein Großteil der südtiroler Bevölkerung auf eine Revidierung der Brennergrenze.
Am 22.April 1946 wurden daraufhin aus genanntem Grund dem österreichischen Bundeskanzler Leopold Figl 158.628 Unterschriften der Südtiroler Bevölkerung präsentiert.
Doch diese Unterschriften, eine darauf folgende Volksabstimmung und den Bemühungen vieler österreichischer Diplomaten führte vorerst zu nichts, bis am 5.September im Sinne der Siegermächte (um einen politischen Krisenherd und den Schutz der österreichischen Minderheit zu wahren) das Gruber-De Gaspari Abkommen (Pariser Vertrag) aufgesetzt wurde.
Darin wurde festgelegt, dass zum Schutze des Volkscharakters der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung des deutschsprachigen Bevölkerungsteils in den Provinzen Bozen und Trient folgende gesetzgeberische Maßnahmen getroffen werden sollte:
- Volks- und Mittelschulunterricht in ihrer Muttersprache
- Zweisprachigkeit in amtlichen Urkunden, öffentlichen Ämtern und bei Ortstafeln
- in den letzten Jahren italienisierte Familiennamen wieder herzustellen
- Gleichberechtigung und in öffentlichen Ämtern und angemessenes Verhältnis in der Stellenverteilung
und zum Wohle einer gutnachbarlichen Beziehung zwischen Österreich und Italien binnen eines Jahres folgendes zu garantieren:
- die Frage der Staatsbürgerschaftsoptionen aus dem Hitler-Mussolini-Abkommen von 1939 zu revidieren
- zu einem Abkommen der wechselseitigen Anerkennung der Gültigkeit gewisser akademischer Grade und Universitätsdiplome zu gelangen
- ein Abkommen für den freien Personen- und Güterverkehr zw. Nord- und Osttirol auf dem Schienen- und Straßenweg auszuarbeiten
- Vereinbarungen zur Erleichterung des Grenzverkehrs auszuarbeiten

Im folgenden Jahrzehnt stellte sich jedoch zum Widerwillen der Südtiroler heraus, dass die italienische Regierung andere Vorstellungen vom Schutze der deutschsprachigen Minderheit hatte, als die Bevölkerung selbst.
Daraufhin wurde 1957 eine neue, als harter Verfechter der Rechte der Südtiroler geltende Parteiführung der Südtiroler Volkspartei gewählt.
Vorrangiges Ziel der Volkspartei und der Landtagsführung unter dem Landtagspräsidenten Silvius Magnago war nun eine eigene Autonomie für die Provinz Bozen.
Daraufhin wollte auch die österreichische Bundesregierung wieder Verhandlungen mit Italien aufnehmen, welche jedoch abgewiesen und darauf aufmerksam gemacht wurde, dass der Pariser Vertrag bereits erfüllt sei.
Die österreichischen Politiker beauftragte jedoch die UNO das Thema zu behandeln, welche Italien und Österreich nun zu neuen Verhandlungen aufrief.
Die Außenministerkonferenz Ende Jänner1961 scheiterte jedoch, es folgte der erste Anschlag auf das Reiterstandbild in Waidbruck und unmittelbar vor weiteren Verhandlungen im Juni in der Nacht vom 11. sprengten die BAS (Befreiungsausschuss für Südtirol) 47 Hochspannungsmasten. Die Folgen davon waren Ausfälle der Stromversorgung Bozens und ein Todesopfer.
Noch in der Nacht und am darauf folgenden Tag begann man wichtige öffentliche Einrichtungen und Gebäude mit Soldaten zu schützen und Verdächtige festzunehmen.
die inhaftierten Täter und Verdächtige wurden teilweise schwer misshandelt.
Daraufhin begann am 1.Septmeber 1961 die „Neunzehnerkommission“ mit ihrer Arbeit, dem Versuch eines ernsthaften Dialoges zwischen den Vertretern des italienischen Staates, der österreichischen Minderheit in Südtirol und dem österreichischem Außenminister Bruno Kreisky.
Mitte der 60er Jahre legte die Neunzehnerkommisssion ihren Abschluss vor, der die Grundlage für weitere Verhandlungen.
Es sollten jedoch auch noch weitere Bombenanschläge Mitte der 60er folgen, bis 1969 in den Verhandlungen zwischen Italien und Österreich das so genannte „Südtirolpaket“ präsentiert wurde, dessen Punkte eigentlich bis 1974 wirksam werden sollten. Die vollständige Umsetzung dauerte jedoch bis 1992, da immer wieder neue Punkte angesetzt wurden.
Das „Südtirolpaket“ enthält insgesamt 137 Gesetzesänderungen, von denen 97 durch Verfassungsgesetze durchgeführt werden mussten.
Da die Verfassung jedoch noch über dem Autonomiestatus Südtirols steht, kann auch diese Autonomie durch eine Verfassungsänderung gefährdet werden.


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